Hobbytronic - ein Nachruf

09 Mar 2009

Heise berichtete gestern, dass die Hobbytronic dieses Jahr ausfällt. Irgendwie ist das traurig, andererseits ist das auch ganz gut so.

Ich verbinde sehr viele schöne Erinnerungen an die Hobbytronic der 90er Jahre. Die Messe war für mich immer einer der Höhepunkte des Jahres. Damals, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte, war diese Messe eine der wichtigsten Veranstaltungen, um relativ billig an Hardware zu kommen. Und mit Hardware meine ich nicht die neueste Grafikkarte, sondern Kabel, Chips, Steckverbinder...all das, was man zum "schrauben" gebraucht hat. Mein Vater und Ich haben damals sehr viel Zeit mit dem Basteln von Hardware verbracht. Er baute die Roboter und Schaltplatinen, ich schrieb die Software, damit der C64 die Schrittmotoren ansprechen konnte.

Die ganze Messe roch nach einem riesigen Kabelbrand. Überall wurde auf wuseligen Tischen Hardware verkauft. Die besten Stände waren die Stände mit "Ausschlachtware", dort gab es für relativ wenig Geld defekte Hardware, die man auseinandernehmen konnte. Die Ware bei Conrad war auch immer für ein nettes Schnäppchen gut. Vor dem Eingang des Conrad-Stores musste man teilweise auch mal 30 Minuten warten, bis man überhaupt im Stand war. Dazu kam, das man nie genau wusste, was einem bei Conrad erwartete. Eine Wundertüte für Lötfreaks.

Ende der 90er ging es dann so langsam zu Ende mit der Hobbytronic. Von Jahr zu Jahr wurde die Messe kleiner. Es gab Jahre, in denen die Messe zu gefühlten 90% aus Tintenpatronenverkäufern bestand. Zum Schluss war die Messe nur noch eine Schatten Ihrer selbst als Zusatzmesse zur Modellbaumesse. Vorbei sind die Zeiten, in denen man am PC wirklich rumbasteln musste. Heute steckt man eine Karte rein und gut ist. Irgendwie ist das ja auch besser so...sehe ich ja ein...nur sucht man heute die Hardwarebastler mit der Lupe. Das war damals noch anders.

Und billige Hardware? Die gibt's im Internet. Nicht auf einer Messe.

Aber es geht nicht nur der Hobbytronic so. Die Cebit dieses Jahr war von den Besucher- und Ausstellerzahlen eine mittlere Katastrophe. Niemand will da gewesen sein, Neuigkeiten gab es anscheinend auch keine. Es verlagert sich alles ins Netz. Wieso noch vor Ort sein müssen auf einer Messe, wenn das Gut, was man verkauft, virtuell ist?